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Erstmusterprüfbericht (EMPB): Inhalt, Ablauf, VDA vs. PPAP
Ein Erstmusterprüfbericht (EMPB) belegt, dass Teile aus Serienwerkzeug und Serienprozess alle Anforderungen der Zeichnung erfüllen – mit Deckblatt, vollständigem Maßbericht zur Ballon-Zeichnung und Werkstoffnachweis. In Europa richtet sich der Umfang meist nach VDA Band 2 (PPF-Verfahren), in US-geprägten Lieferketten nach PPAP mit den Vorlagestufen Level 1–5. Welche Variante gilt, sollte vor der Bestellung vereinbart sein.
- Pflichtinhalte des EMPB
- VDA Band 2 und PPAP verglichen
- Typische Fehler vermeiden

Was ist ein Erstmusterprüfbericht?
Der Erstmusterprüfbericht – kurz EMPB, auch Erstmusterbericht oder EMPB-Dokumentation – ist der dokumentierte Nachweis, dass ein neues oder geändertes Teil die Zeichnung und die vereinbarten Spezifikationen erfüllt. Entscheidend ist, dass die Muster unter Serienbedingungen entstanden sind: mit Serienwerkzeug, an der Serienanlage, mit Serienwerkstoff und vom Serienpersonal.
Ein Erstmuster ist also kein Prototyp. Ein gefrästes Musterteil, das später im Druckguss gefertigt werden soll, kann die Geometrie zeigen, aber nicht den Serienprozess freigeben.
Erstmuster sind fällig bei neuen Teilen, bei neuen Lieferanten, nach Zeichnungsänderungen, nach Werkzeugänderungen oder -verlagerungen, bei Wechsel von Werkstoff, Verfahren oder Fertigungsstandort und nach längerer Lieferpause (häufig mehr als 12 Monate).
Die Bestandteile eines EMPB
Der genaue Umfang wird zwischen Kunde und Lieferant vereinbart. Diese Teile gehören fast immer dazu:
| Bestandteil | Inhalt | Hinweis |
|---|---|---|
| Deckblatt (VDA: PPF-Bericht, PPAP: Part Submission Warrant) | Teilenummer, Zeichnungsnummer und -index, Lieferant, Werk, Anlass der Bemusterung, Anzahl Muster, Ergebnis der Selbstbeurteilung, Unterschrift | Zeichnungsindex muss exakt dem bemusterten Stand entsprechen |
| Maßbericht mit Ballon-Zeichnung | Alle Merkmale der Zeichnung nummeriert; Soll, Toleranz, Ist-Werte je Musterteil, Bewertung i. O./n. i. O. | Auch Allgemeintoleranzen, Form- und Lagetoleranzen, Gewinde |
| Werkstoffnachweis | Prüfbescheinigung (z. B. 3.1 nach EN 10204) mit chemischer Analyse und mechanischen Kennwerten | Charge muss zu den Mustern passen |
| Funktions- und Oberflächenprüfungen | Schichtdicke, Härte, Rauheit, Salzsprühnebeltest, Dichtheit, Röntgen bei Guss | Nur was Zeichnung oder Spezifikation fordert |
| Haptik und Optik | Aussehen, Farbe, Narbung, Grat – z. B. Grenzmuster | PPAP: Appearance Approval Report |
| Prozessnachweise | Prozessablauf, Prozess-FMEA, Produktionslenkungsplan, Prozessfähigkeit (Cpk/Ppk) für besondere Merkmale | Umfang je nach Vereinbarung und Risiko |
| Rechtliche Konformität | REACH-/RoHS-Erklärung, in der Automobilindustrie IMDS-Eintrag | Für Teile in Erzeugnissen für den EU-Markt |
Der Maßbericht: Herzstück jedes Erstmusterprüfberichts

Grundlage ist die Ballon-Zeichnung: Jedes Maß, jede Toleranz, jede Oberflächenangabe und jede Anmerkung erhält eine fortlaufende Nummer in einem Kreis („Ballon“). Der Maßbericht führt diese Nummern in einer Tabelle mit Sollwert, oberer und unterer Grenze, Ist-Werten und Bewertung. So lässt sich jede Zeile eindeutig der Zeichnung zuordnen.
Gemessen wird üblicherweise an mehreren Teilen – häufig 3–5 Stück – und bei Mehrfachwerkzeugen an mindestens einem Teil je Kavität. Ist-Werte müssen als Zahlen erscheinen, nicht als „OK“. Für Merkmale mit Form- und Lagetoleranz nach ISO 1101 gehört das Messverfahren dazu (z. B. Koordinatenmessgerät, Formmessgerät).
- Zeichnungsnummer und Index auf jeder Seite des Maßberichts
- Verwendete Messmittel mit Kalibrierstatus
- Kennzeichnung der Musterteile, damit Bericht und Teil zusammenpassen
- Abweichungen klar markieren, nicht im Fließtext verstecken
VDA Band 2: vom Vorlagestufen-Modell zur Selbstbeurteilung
In der deutschen Industrie bezieht sich die Erstbemusterung meist auf den VDA-Band 2 „Sicherung der Qualität von Lieferungen“ mit dem PPF-Verfahren (Produktionsprozess- und Produktfreigabe). Viele Qualitätssicherungsvereinbarungen nennen noch Vorlagestufen nach älteren Ausgaben – vereinfacht: Stufe 1 nur Deckblatt, Stufe 2 Deckblatt mit Mustern und eingeschränkten Nachweisen, Stufe 3 Deckblatt mit Mustern und vollständigen Nachweisen, höhere Stufen nach besonderer Vereinbarung. In vielen Verträgen ist Stufe 2 der Standard, für neue Lieferanten oft Stufe 3.
Mit der 6. Auflage (2020) sind die Vorlagestufen entfallen. Stattdessen beurteilt der Lieferant seine Nachweise selbst und legt nur vor, was der Kunde ausdrücklich verlangt. Die 7. Auflage (veröffentlicht Anfang 2026) geht weiter zu einem risikobasierten Ansatz: Der Umfang richtet sich nach dem Risiko des Produkts, Nachweise dürfen auf vorhandene Dokumente verweisen, die Excel-Formulare werden durch ein Online-Werkzeug ersetzt (Stand Oktober 2026).
Für die Praxis heißt das: Schreiben Sie in die Bestellung oder Qualitätssicherungsvereinbarung, nach welcher Ausgabe und mit welchem Umfang bemustert wird – „EMPB nach VDA“ allein ist nicht eindeutig.
PPAP: die fünf Vorlagestufen (Level 1–5)
PPAP (Production Part Approval Process) stammt aus der US-Automobilindustrie (AIAG) und umfasst 18 Elemente vom Design Record bis zum Part Submission Warrant (PSW). Der Umfang der Vorlage wird über fünf Levels gesteuert:
| Level | Was vorgelegt wird |
|---|---|
| Level 1 | Nur PSW (Deckblatt), ggf. Appearance Approval Report |
| Level 2 | PSW mit Musterteilen und eingeschränkten Nachweisen |
| Level 3 | PSW mit Musterteilen und vollständigen Nachweisen – Standard, wenn nichts anderes vereinbart ist |
| Level 4 | PSW und weitere Anforderungen nach Kundenvorgabe |
| Level 5 | PSW mit Musterteilen und vollständigen Nachweisen, Prüfung beim Lieferanten vor Ort |
VDA oder PPAP – was ist der Unterschied?
Inhaltlich überschneiden sich beide stark: Maßbericht, Werkstoffnachweis, Prozess-FMEA, Lenkungsplan, Fähigkeitsnachweise. PPAP ist formaler, mit festen 18 Elementen und dem PSW als zentralem Dokument. VDA Band 2 ist seit 2020 flexibler und stärker auf Selbstbeurteilung und Risiko ausgerichtet.
Im Maschinen- und Anlagenbau wird oft ein vereinfachter EMPB verlangt: Deckblatt, Maßbericht und Werkstoffzeugnis, bei Bedarf ergänzt um Härte-, Schicht- oder Dichtheitsprüfungen. Das ist legitim – wichtig ist nur, dass der Umfang vorab feststeht und für alle Lieferanten gleich ist.
Ablauf der Erstbemusterung bei Lieferungen aus China
Umfang festlegen
Mit der Anfrage: Norm bzw. Ausgabe, Musteranzahl, Prüfmerkmale, Werkstoffzeugnis, besondere Merkmale mit Fähigkeitsnachweis.
Ballon-Zeichnung abstimmen
Nummerierung vorab zwischen Kunde und Lieferant abgleichen, damit beide denselben Merkmalskatalog prüfen.
Muster unter Serienbedingungen
Fertigung mit Serienwerkzeug und -prozess; Messung und Bericht durch den Lieferanten.
Gegenprüfung
Stichprobenartige oder vollständige Nachmessung in Europa, besonders bei neuen Lieferanten und Passmaßen.
Freigabe oder Abweichung
Freigabe, Freigabe mit Auflagen (befristete Sonderfreigabe) oder Ablehnung mit Korrekturmaßnahme und neuer Bemusterung.
Typische Fehler im Erstmusterprüfbericht
Allgemeintoleranzen fehlen
Nur die tolerierten Maße werden gemessen, die Maße nach ISO 2768 bleiben ungeprüft. Gerade diese führen später zu Montageproblemen.
Falscher Zeichnungsindex
Bemustert wurde Stand B, bestellt ist Stand C. Ohne Indexprüfung auf dem Deckblatt fällt das erst beim Einbau auf.
Muster nicht aus der Serie
Handverlesene Teile oder Teile aus einem Vorserienwerkzeug sagen wenig über die Serienqualität.
Zeugnis passt nicht zur Charge
Ein Werkstoffzeugnis vom Halbzeuglieferanten ohne Bezug zur Charge der Muster ist kein Nachweis. Rückverfolgbarkeit über Chargennummer fordern.
„OK“ statt Messwerte
Ein Bericht ohne Ist-Werte lässt keine Aussage über die Ausnutzung der Toleranz zu – und damit keine Prognose für die Serie.
Ungeeignete Messmittel
Ein Messschieber für eine Toleranz von ±0,01 mm ist ungeeignet. Faustregel: Messunsicherheit höchstens ein Zehntel bis ein Fünftel der Toleranz.
EMPB bei Teilen über TOP Asia Technik GmbH
Bei TOP Asia Technik GmbH ist die Erstmusterprüfung im Preis enthalten. Einen formalen Erstmusterprüfbericht erstellen wir auf Ihren Wunsch – nach VDA Band 2 oder in PPAP-Struktur; den Umfang stimmen wir vor der Bestellung mit Ihnen ab und halten ihn im Angebot fest. Werkstoffzeugnisse (z. B. 3.1 nach EN 10204) und zusätzliche Prüfungen sind auf Wunsch möglich, Zusatzprüfungen nach Aufwand.
Der übliche Ablauf: Die Erstmuster werden an Sie versendet, Sie prüfen und geben frei, danach läuft die Serie nach Ihren Vorgaben. Mehr unter Qualität; Ihre Zeichnung können Sie über das Anfrageformular senden. Wie Toleranzen den Prüfaufwand beeinflussen, lesen Sie im Artikel Toleranzen richtig angeben.
Häufige Fragen zum Erstmusterprüfbericht
Wie viele Teile werden für einen EMPB gemessen?
Das wird vereinbart. Üblich sind 3–5 Teile vollständig, bei Mehrfachwerkzeugen mindestens ein Teil je Kavität. Für Fähigkeitsnachweise besonderer Merkmale sind deutlich mehr Teile nötig, oft 50 oder mehr.
Wer bezahlt die Erstbemusterung?
Die Kosten für Muster und Bericht sind meist im Werkzeug- oder Teilepreis enthalten. Eine erneute Bemusterung wegen Mängeln trägt üblicherweise der Lieferant, wegen Zeichnungsänderungen der Kunde.
Welche Prozessfähigkeit wird verlangt?
Häufige Vorgaben sind Ppk ≥ 1,67 für die vorläufige Prozessfähigkeit und Cpk ≥ 1,33 in der Serie – jeweils nur für vereinbarte besondere Merkmale, nicht für jedes Maß.
Muss ich als Maschinenbauer PPAP verlangen?
Nein. PPAP ist ein Automobilstandard. Außerhalb der Automobilindustrie genügt meist ein EMPB mit Deckblatt, Maßbericht und Werkstoffnachweis – sofern Ihr eigener Kunde nichts anderes fordert.
Zeichnung senden – Angebot erhalten
Laden Sie Zeichnung und 3D-Modell hoch, nennen Sie Menge und Termin – wir prüfen die Machbarkeit und melden uns mit Rückfragen oder einem Angebot.
- Technische Klärung vor der Angebotsanfrage
- Angebote aus geprüften Partnerwerken
- Ein Ansprechpartner in Deutschland
- Auf Wunsch Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) vorab
Lieber anrufen? 03641 9286337 · Mo–Fr 8–18 Uhr
