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Reverse Engineering – Nachfertigung von Ersatzteilen nach Muster
Mit Reverse Engineering wird aus einem vorhandenen Teil wieder eine fertigungsfähige Zeichnung – die Grundlage für die Nachfertigung von Ersatzteilen in Serie. Das hilft Instandhaltung und Maschinenbetreibern, deren Hersteller nicht mehr liefert, zu lange braucht oder unverhältnismäßige Preise verlangt.
- Ersatzteile ohne Zeichnung nachfertigen
- 3D-Scan und Werkstoffanalyse
- Neue Zeichnung als Ihr Eigentum

- Seit 2011 aus Jena
- Rund 120 Partnerwerke in China
- Ein Vertragspartner in Deutschland
- Prüfung vor Versand inklusive
Wann Reverse Engineering sinnvoll ist
Typisch sind Verschleißteile an älteren Maschinen und Anlagen: Der Originalhersteller existiert nicht mehr, hat das Teil abgekündigt oder liefert nur noch mit monatelanger Lieferzeit. Eine Zeichnung liegt beim Betreiber fast nie vor.
Wirtschaftlich wird die Nachfertigung von Ersatzteilen vor allem dann, wenn das Teil regelmäßig gebraucht wird – an mehreren baugleichen Maschinen, als Verschleißteil oder als Lagerbestand für die nächsten Jahre. Für ein einzelnes Teil ohne Folgebedarf ist ein lokaler Hersteller meist die bessere Wahl, weil Analyse und Zeichnungserstellung sonst auf ein einziges Stück entfallen.
Technischer Steckbrief: Reverse Engineering und Nachfertigung
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Werkstoffe | Bestimmung per Spektralanalyse, Härteprüfung und ggf. Gefügeschliff; Kunststoffe per FTIR/DSC, Elastomere per Shore-Härte und Laboranalyse |
| Teilegewicht / Größe | Im Regelfall Teile, die sich versenden und scannen lassen; sehr große Teile können in Einzelfällen, z. B. über unseren tschechischen Partner, vor Ort vermessen werden |
| Toleranzen | Streifenlicht-Scan ca. ±0,02–0,05 mm; Passungen und Funktionsmaße werden zusätzlich taktil gemessen und konstruktiv festgelegt |
| Oberflächen / Nachbearbeitung | Oberfläche, Beschichtung und Wärmebehandlung werden am Muster bestimmt und in die Zeichnung übernommen |
| Stückzahlen | Sinnvoll bei wiederkehrendem Bedarf; Fertigung wie bei allen Zeichnungsteilen in Serie |
| Prüfungen | Abgleich Neuteil mit Original, Erstmusterprüfbericht, Materialzeugnis 3.1 nach EN 10204 |
| Lieferzeit | Scan, Analyse und Zeichnung: keine feste Dauer, abhängig vom Teil – den Termin nennen wir im Angebot; danach Fertigung wie bei Neuteilen |
| Daten für die Anfrage | Muster (möglichst wenig verschlissen), Fotos im Einbauzustand, Maschinentyp, Gegenstücke, Einsatzbedingungen, Jahresbedarf |
Vom Muster zur Zeichnungserstellung: 3D-Scan und Messverfahren
Welche Methode passt, hängt von Geometrie, Genauigkeitsanspruch und Teilegröße ab. Oft werden zwei Verfahren kombiniert.

| Verfahren | Genauigkeit (Richtwert) | Geeignet für | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Handmessung (Messschieber, Bügelmessschraube) | ±0,01–0,05 mm | Einfache Dreh- und Frästeile | Freiformflächen kaum erfassbar |
| Koordinatenmessmaschine (taktil) | ±0,002–0,005 mm | Passungen, Bohrbilder, Form- und Lagetoleranzen | Zeitaufwendig bei Freiformen |
| Streifenlicht- oder Laser-3D-Scan | ±0,02–0,05 mm | Gussteile, Freiformflächen, Kunststoffteile | Glänzende Flächen müssen mattiert werden; keine Innenkonturen |
| Industrielle Computertomografie (CT) | ca. ±0,01–0,1 mm je nach Größe | Innenliegende Kanäle, Hohlräume, Kunststoffteile | Teuer, Größe und Dichte begrenzt |
Ersatzteile ohne Zeichnung: Werkstoffanalyse

Die Geometrie ist nur die halbe Miete. Ein Zahnrad aus falschem Stahl oder ohne Einsatzhärtung fällt nach kurzer Zeit aus – auch wenn jedes Maß stimmt. Deshalb gehört zur Nachfertigung immer eine Werkstoffbestimmung.
- Spektralanalyse (Funkenspektrometrie OES oder Röntgenfluoreszenz RFA): chemische Zusammensetzung, daraus die nächstliegende Werkstoffnorm, z. B. 42CrMo4 (1.7225) nach EN 10083-3
- Härteprüfung nach Rockwell, Brinell oder Vickers: zeigt, ob das Teil vergütet, induktiv- oder einsatzgehärtet ist
- Härteverlaufskurve und Gefügeschliff: bestimmt Einsatzhärtungstiefe und Wärmebehandlung – dafür wird das Muster in der Regel zerstört
- Kunststoffe und Gummi: FTIR-Spektroskopie und DSC für den Polymertyp, Shore-Härte für Elastomere
Typische Fehler bei der Nachfertigung von Ersatzteilen
Ein Muster zeigt den Ist-Zustand nach Jahren im Einsatz, nicht die Konstruktionsabsicht. Diese Punkte führen am häufigsten zu Fehlteilen.

Verschleiß wird mitgemessen
Abgenutzte Laufflächen, ausgeschlagene Bohrungen oder verformte Zähne dürfen nicht in die Zeichnung übernommen werden. Ideal ist ein neuwertiges Teil aus dem Lager oder ein Vergleich mehrerer Muster.
Passungen fehlen
Ein Maß von 24,98 mm sagt nicht, ob eine Welle h6 oder f7 hat. Messen Sie das Gegenstück mit oder geben Sie Lager, Dichtungen und Einbausituation an.
Wärmebehandlung übersehen
Härte, Härtetiefe und Anlassen sind am Teil nicht sichtbar. Ohne Prüfung entsteht ein maßhaltiges, aber zu weiches Teil.
Gealterte Elastomere
Gummi härtet mit dem Alter nach und schrumpft. Die gemessene Shore-Härte eines alten Teils liegt oft über dem ursprünglichen Wert.
Verzug als Sollmaß
Schweiß- und Gussteile sind nach Jahren oft verzogen. Ebenheit und Rechtwinkligkeit müssen konstruktiv neu festgelegt werden.
Schutzrechte beachten – Rechte klärt der Auftraggeber
Ein Teil nachzubauen ist nicht automatisch erlaubt. Patente, Gebrauchsmuster, eingetragene Designs, Marken und das Urheberrecht an Originalzeichnungen sowie vertragliche Vereinbarungen mit dem Hersteller können entgegenstehen. Als Auftraggeber müssen Sie vor der Beauftragung klären, dass Sie das Teil nachfertigen lassen dürfen – im Zweifel mit rechtlicher Beratung. Herstellerlogos und Originalteilenummern werden grundsätzlich nicht übernommen.
Ablauf: Reverse Engineering bis zur Serie
Muster und Informationen senden
Muster, Fotos im Einbauzustand, Maschinentyp, Einsatzbedingungen und Bedarf. Bestätigen Sie, dass die Schutzrechtsfrage geklärt ist.
Machbarkeit und Angebot
Wir prüfen, welche Mess- und Analyseschritte nötig sind, und nennen getrennt Kosten für Zeichnungserstellung und Teilepreis.
Scan, Messung und Werkstoffanalyse
Durchführung je nach Teil über unsere Partner in Großbritannien, China oder Tschechien.
Zeichnung zur Freigabe
Sie erhalten 3D-Modell und 2D-Zeichnung mit Toleranzen, Werkstoff und Wärmebehandlung zur Prüfung und Freigabe.
Muster und Serie
Erstmuster werden mit dem Original verglichen und im Einbau getestet. Nach Freigabe folgt die Serie, auf Wunsch mit Sicherheitsbestand.
Für welche Ersatzteile nach Muster es passt
Passt gut, wenn …
- Verschleiß- und Ersatzteile mit wiederkehrendem Bedarf
- Mehrere baugleiche Maschinen oder Anlagen im Bestand
- Mechanische Teile wie Zahnräder, Wellen, Buchsen, Gussgehäuse, Dichtungen
- Teile, deren Hersteller nicht mehr liefert
Eher nicht, wenn …
- Einzelstücke, die in wenigen Tagen gebraucht werden
- Sicherheitsrelevante Teile mit Baumusterprüfung ohne neue Zulassung
- Teile mit ungeklärten Schutzrechten
- Elektronik mit programmierten Bauteilen oder Firmware
Häufige Fragen zum Reverse Engineering
Wird das Muster bei der Analyse zerstört?
Scan, Messung und Spektralanalyse sind weitgehend zerstörungsfrei; bei der Spektralanalyse entsteht nur eine kleine Brennstelle. Für Härteverlauf und Gefügeschliff muss das Teil aufgetrennt werden. Senden Sie wenn möglich zwei Muster.
Wem gehört die neu erstellte Zeichnung?
Die Zeichnung wird für Sie erstellt und geht nach Bezahlung in Ihr Eigentum über. Damit können Sie das Teil künftig auch anderweitig anfragen.
Kann man ein Ersatzteil verbessern statt nur kopieren?
Ja, das ist oft sinnvoll. Typisch sind ein verschleißfesterer Werkstoff, eine bessere Wärmebehandlung oder eine Beschichtung an der Verschleißstelle. Änderungen sollten Sie mit Blick auf die Maschinenfunktion freigeben.
Was ist, wenn nur ein gebrochenes Teil vorhanden ist?
Bruchstücke lassen sich scannen und digital zusammensetzen. Fehlende Bereiche werden aus dem Gegenstück oder der Einbausituation rekonstruiert, was mehr Abstimmung mit Ihnen erfordert.
Wie genau wird das nachgefertigte Teil?
So genau, wie die neue Zeichnung es vorgibt. Funktionsmaße werden konstruktiv mit Passungen festgelegt und nicht einfach vom Scan übernommen. Die Fertigung erfolgt dann wie bei jedem anderen CNC-Präzisionsteil oder Gussteil.
Lohnt sich Reverse Engineering für Kunststoffteile?
Bei Spritzgussteilen kommt zu Scan und Zeichnung ein Werkzeug hinzu. Das rechnet sich nur bei ausreichender Stückzahl; für kleine Mengen ist Fräsen aus Halbzeug oft die wirtschaftlichere Lösung.
Verwandte Teilearten
Anfrage: Nachfertigung nach Muster
Beschreiben Sie das Teil und senden Sie uns Fotos, Maße und – falls vorhanden – alte Unterlagen. Nennen Sie Menge und Termin – wir prüfen die Machbarkeit und melden uns mit Rückfragen oder einem Angebot.
- Technische Klärung vor der Angebotsanfrage
- Angebote aus geprüften Partnerwerken
- Ein Ansprechpartner in Deutschland
- Auf Wunsch Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) vorab
Lieber anrufen? 03641 9286337 · Mo–Fr 8–18 Uhr
